Film- und Tonaufnahmen in Sitzungen gestatten

Die Änderung der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) sieht in § 52 Abs. 3 vor, dass Film- und Tonaufnahmen durch die Medien in öffentlichen Sitzungen durch die Hauptsatzung der Gemeinde zugelassen werden können.

Da Bürgerinnen und Bürger sowie die Presse nicht unbedingt der gesamten Sitzung beiwohnen, bietet eine Video- oder Tonübertragung aus den Sitzungen die Möglichkeit, die Öffentlichkeit besser und breiter einzubinden. Sie erleichtert den Zugang gerade auch für ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und Eltern ohne Kinderbetreuungsmöglichkeiten, die bequem von zuhause oder zeitlich versetzt die Beschlüsse mitverfolgen und nachvollziehen können. Im Sinne einer transparenten Politik und Verwaltung sollten die von der HGO erlaubten Mittel ausgeschöpft werden.

Die Stadtverordnetenversammlung beschließt:

  1. § 16 Abs. 1 der Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversammlung wird wie folgt geändert: „der Presse und dem Rundfunk“ wird ersetzt durch „den Medien“.
  2. Als § 16 Abs. 3 wird eingefügt: „In öffentlichen Sitzungen sind Film- und Tonaufnahmen durch die Medien mit dem Ziel der Veröffentlichung zulässig.“
  3. § 29 Abs. 1 wird ergänzt: „In öffentlichen Sitzungen sind Film- und Tonaufnahmen durch die Medien mit dem Ziel der Veröffentlichung zulässig.“
  4. Die Stadtverordnetenversammlung fordert den Magistrat auf, die Voraussetzungen für eine Tonübertragung durch die Stadt Frankfurt aus den Sitzungen der Ausschüsse und dem Plenum der Stadtverordnetenversammlung herbeizuführen.
  5. Die Stadtverordnetenversammlung fordert den Magistrat auf, die Voraussetzungen für eine Videoübertragung durch die Stadt Frankfurt aus den Sitzungen der Ausschüsse und dem Plenum der Stadtverordnetenversammlung herbeizuführen.
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EU-Fördermittel für Open Data und digitale Inhalte

Die Europäische Union vergibt 2012 im Rahmen des „Information and Communication Technologies Policy Support Programme“ (ICT PSP) unter anderem Fördermittel in Höhe von € 36 Mio. für die Digitalisierung von Kulturgütern für Europeana, zur Verwaltung von verwaisten audiovisuellen Werken sowie für Open Data-Portale. Anträge können vom 01.02. bis 15.05.2012 eingereicht werden, voraussichtlich am 3. Februar findet ein Informationstag in Brüssel statt.

Das Stadtarchiv, das Historische Museum, das MMK und einige andere Frankfurter Museen digitalisieren bereits Inhalte, die Leiterin des Filmmuseums ist sehr engagiert im Bereich der verwaisten Werke, und wie Stadtrat Stein berichtete, ist im Rahmen des Relaunchs von frankfurt.de eine Ausweitung von eGovernment und Open Data geplant.

Die Stadtverordnetenversammlung beschließt:

Die Stadtverordnetenversammlung fordert den Magistrat auf, für geeignete Projekte Mittel aus dem ICT PSP zu beantragen.

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Friedlichen Alkoholkonsum in Bussen und Bahnen tolerieren

Die Stadtverordnetenversammlung beschließt:

Friedlicher Alkoholkonsum in Bussen und Bahnen im Frankfurter Tarifgebiet wird toleriert. Die Stadtverordneten erachten die bestehenden Ordnungsmittel als ausreichend und wenden sich gegen populistische Bestrebungen, für ein trügerisches Sicherheitsempfinden vor allem Jugendliche und friedliche Fußballfans zu marginalisieren und zu kriminalisieren.

Begründung:

Es gibt immer wieder Versuche, Alkoholkonsum in Bussen und Bahnen zu verbieten, wie dies in Hamburg und München geschehen ist. Dabei wird verkannt, dass der Alkoholkonsum oft bereits vor Fahrtantritt erfolgt und dass Personen, die eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung des Betriebes oder der anderen Fahrgäste darstellen, bereits jetzt durch das Betriebspersonal von der Beförderung ausgeschlossen werden können.

Der Sicherheit in der Stadt dient es nicht, wenn Fahrgäste auf dem Weg zum Junggesellinnenabschied, Jugendliche auf dem Weg in oder aus dem Nachtleben oder friedliche Fans der Eintracht dazu gezwungen werden, alkoholisiert Auto zu fahren, weil ihnen günstige öffentliche Verkehrsmittel verwehrt werden. Hierbei muss mit Augenmaß gehandelt werden – Verbote führen zu nichts.

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Sicherer Schulüberweg Hanauer Landstraße

Eine ehemalige Kinderbeauftragte des Ortsbeirats 4 berichtete in dessen Sitzung am 9. August 2011 von einem Unfall mit einem Schüler, der im Frühsommer an der Straßenbahnhaltestelle Ostendstraße von einer Straßenbahn erfasst wurde und glücklicherweise überlebte.

Besonders am östlichen Ende der Haltestelle an der Uhlandschule kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Die beiden äußeren Straßenüberwege und die mittlere Straßenbahntrasse haben immer gleichzeitig grün oder rot für Fußgänger – ausgenommen es kommt eine Straßenbahn mit Prioritätsschaltung. Dann kommt es regelmäßig vor, dass die äußeren Überwege grün anzeigen, während in der Mitte rot ist. Kinder und Erwachsene übersehen dann leicht das Rotlicht. Bei Schulende drängen sich oft große Schülergruppen auf dem sehr schmalen Mittelstreifen, unter anderem bedingt durch den engen, z-förmigen Übergang. Dann kommt es immer wieder vor, dass Kinder auf den Gleisbereich gedrängt werden.

Der Magistrat vertrat in der Stellungnahme ST 673/2006 die Ansicht, dass der z-förmige Übergang aus Sicherheitsgründen erforderlich und in ST 1706/2007, dass die Verkehrssituation sicher sei. Dies ist offensichtlich nicht der Fall.

Dies vorausgeschickt, möge die Stadtverordnetenversammlung beschließen:

  1. Der Magistrat stellt sicher, dass an der Straßenbahnhaltestelle Ostendstraße alle Fußgängerampeln stets zur selben Zeit grün oder rot anzeigen. Sollte das Beschleunigungsprogramm politisch Vorrang haben, dann bleiben alle Fußgängerampeln länger rot.
  2. Der Magistrat möge im Kontext der anderen schweren Unfälle zwischen Fußgängern und Schienenfahrzeugen prüfen und berichten, welche baulichen Maßnahmen geeignet sind, Schienenübergänge insgesamt und im Besonderen an dieser Stelle sicherer zu machen.
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Kitas barrierefrei bauen

Die Stadtverordnetenversammlung beschließt:

Neu- und Umbauten von städtischen Kindertagesstätten sind barrierefrei nach DIN 18040-1 zu realisieren.

Begründung:

„Nach dem bis heute geltenden üblichen Standard“ (Zitat aus B 343/2011) sind Neubauten von städtischen Kitas nicht zwingend barrierefrei zu bauen. Es wäre auszudiskutieren, ob Kitas gemäß § 46 HBO öffentlich zugängliche Einrichtungen sind. Unstrittig ist, dass Menschen mit Behinderungen entsprechend der UN-Konvention nicht diskriminiert werden dürfen, wie der Magistrat in seiner Stellungnahme ST 14/2011 bestätigt. Dies betrifft nicht nur Kinder mit Behinderungen, sondern auch Eltern und Betreuer, die einen Anspruch auf einen barrierefreien Zugang bzw. Arbeitsplatz haben.

DIN 18040-1 regelt das barrierefreie Bauen für öffentlich zugängliche Gebäude und berücksichtigt dabei mehr als nur einen rollstuhlgerechten Zugang, beispielsweise auch Anforderungen von Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen. Die Bedeutung der Norm wurde in der „Dresdner Erklärung zur Verbindlichkeit der Barrierefreiheit in bauordnungsrechtlichen Vorschriften“ der Behindertenbeauftragten des Bundes und der Länder vom 1. Juni 2011 betont. Darin wird u.a. angeregt, auch die nicht-öffentlichen Teile der Gebäude einzubeziehen. Auch bei Kindergärtnerinnen steigt mit zunehmendem Alter das Risiko, eine Behinderung zu erwerben.

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Haupt- und Finanzausschuss vergrößern

Die ELF Piraten Fraktion ist stimmberechtigt vertreten in den fünf Ausschüssen für Bildung und Integration, Planung, Bau und Wohnungsbau, Soziales und Gesundheit, Umwelt und Sport sowie im Verkehrsausschuss, nicht aber im Haupt- und Finanzausschuss.

§ 12 Abs. 1 der GO der Stadtverordnetenversammlung bestimmt, dass bei divergierenden Ausschussempfehlungen der Haupt- und Finanzausschuss entscheidet. In der Praxis werden auch zeitkritische Entscheidungen aus anderen Ausschüssen hierhin delegiert. Der ELF Piraten Fraktion wird hiermit die Chance genommen, an der Abstimmung der delegierten Beratungsgegenstände aus Ausschüssen, in denen sie eigentlich Stimmrecht hat, mitzuwirken.

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Die Stärke des Haupt- und Finanzausschusses wird derart festgelegt, dass alle Fraktionen darin stimmberechtigt vertreten sind.

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Öffentliche Informationsveranstaltung zum Fluglärm

Der gemeinsame Antrag von CDU und Grünen vom 10. November 2011, NR 138 „Deutsche Flugsicherung muss öffentlich über Flugrouten informieren“, ist zu begrüßen. Jedoch hat die Deutsche Flugsicherung (DFS) vor den Stadtverordneten am 21. November 2011 erklärt, für Beschwerden nicht zuständig zu sein. Eine öffentliche Veranstaltung allein mit der DFS würde darum erneut viele Fragen offen lassen.

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Der Magistrat wird gebeten, zu der in NR 138 genannten Informationsveranstaltung weitere Verantwortliche einzuladen, insbesondere Vertreterinnen oder Vertreter der Fluglärmkommission, der Fraport AG, der zuständigen Hessischen Ministerien sowie den Fluglärmschutzbeauftragten.

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Open Data

Zugehörige Anträge: NR 78/2011 (Piraten) und NR 271/2012 (Grüne)

Kontext: Wortprotokoll über die 7. Plenarsitzung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, dem 15.12.2011 (16.03 Uhr bis 22.03 Uhr), TOP 8, Open Data-Projekt starten

Stadtverordneter Martin Kliehm, Piraten:

Ich freue mich, dass ich endlich einmal über ein Thema reden kann, von dem ich Ahnung habe.

(Heiterkeit)

Die meisten anderen Themen muss ich mir immer erst erarbeiten, dieses Mal ist es anders herum. Sie haben meinen Respekt, dass Sie sich mit so einem schwierigen Thema auseinandersetzen, und ich bin Ihnen dafür auch sehr dankbar. Mir scheint aber, es gibt noch teilweise Verwirrung im Ausschuss für Recht, Verwaltung und Sicherheit. Diese Woche sprach Stadtrat Stein in gleichem Atemzug, als er Open Data erwähnt hat, auch von E-Government, von downloadbaren Formularen und letztlich auch von der Servicenummer 115. Ich glaube, da läuft noch viel durcheinander. Das alles hat irgendwie mit einer Stadtregierung zu tun, aber nicht mit Open Data.

Um einer Begriffsverwirrung vorzubeugen, möchte ich Ihnen zunächst einmal verdeutlichen, worum es bei Open Data geht. Praktischerweise gab es am Montag eine Pressekonferenz der Europäischen Kommission dazu, aus der ich ein paar Sachen zitieren kann: „Öffentliche Verwaltungen sitzen auf einer Goldmine, die ein bislang unerschlossenes wirtschaftliches Potenzial birgt, nämlich große Mengen von Informationen, die von zahlreichen Behörden und Dienststellen angehäuft wurden. Informationen des öffentlichen Sektors Public Sector Information, PSI, sind alle Informationen, die öffentliche Stellen produzieren, sammeln oder erwerben. Beispiele sind Geoinformationen, Statistiken, Wetterdaten, Daten von öffentlich finanzierten Forschungsprojekten oder digitalisierte Bücher aus Bibliotheken. Diese Informationen haben ein beträchtliches, derzeit ungenutztes Potenzial für die Weiterverwendung in neuen Produkten und Dienstleistungen und für die Effizienzsteigerungen in Verwaltungen.“

Das ist auch der Punkt, an dem unsere Kollegen in Wien angesetzt haben. Sie haben gesagt, Open Data sei in erster Linie für die Effizienzsteigerung in der Verwaltung wichtig. Das heißt, es spart uns am Ende Geld und wird uns nicht viel Geld kosten. Man muss sich das einmal vor Augen führen. Die Öffnung von den Verwaltungsdaten stellt einen radikalen Paradigmenwandel dar. Erstes Paradigma: Die Daten gehören nicht dem Amt, sondern den Bürgern. Das muss man sich vor Augen führen. Zweites Paradigma: Bisher waren Daten grundsätzlich nicht zugänglich, außer bei Nachweis eines begründeten Interesses. In Zukunft wird es so sein, dass alle Daten zugänglich sind, außer sie sind durch Rechte Dritter geschützt, also genau umgekehrt zu dem jetzigen Status. Nicht mehr von vornherein verschlossen, sondern von vornherein offen.

Die inzwischen veraltete EU Richtlinie aus dem Jahre 2003 zur Weiterverwendung von Informationen soll bis 2013 geändert werden. Dazu wurde am Montag eine Pressemitteilung von der EU Kommission herausgegeben. Grundsätzlich sollen alle Dokumente, die von öffentlichen Stellen zugänglich gemacht werden, zu beliebigen Zwecken weiterverwendet werden können, gewerblich wie nicht gewerblich, soweit sie nicht durch Rechte Dritter geschützt sind. Grundsätzlich sollen öffentliche Stellen dafür keine Gebühren verlangen können, die über den durch die jeweiligen Einzelanforderungen verursachten Mehrkosten, den Zusatzkosten, liegen. In der Praxis bedeutet das, dass die meisten Daten kostenlos oder so gut wie kostenlos bereitgestellt werden.

Öffentlich Stellen werden außerdem verpflichtet, die Daten in üblichen, maschinenlesbaren Formaten bereitzustellen, damit sie effektiv weiterverwendet werden können. Es nützt also nichts, wenn sie irgendwo in irgendeinem Format auf einer Website stehen, welches nur Menschen, aber keine Maschinen lesen können, weil dadurch eben kein Mehrgewinn möglich ist. Es wird eine behördliche Aufsicht geschaffen, um diese Grundsätze umzusetzen. Da geht es um Nachhaltigkeit. Das ist nicht eine Geschichte, die jetzt eingeführt wird und in zwei Jahren wieder klammheimlich einschläft, sondern es soll für die Zukunft und nachhaltig sein. Nachhaltig kann das Thema auch nur dann sein, wenn die Daten intern in den Ämtern genutzt werden.

Das ist auch eine Neuerung, wenn der Anwendungsbereich der Richtlinie massiv ausgedehnt wird, nämlich zum ersten Mal auch auf Bibliotheken, Museen und Archive. Wir haben neulich gelesen, dass allein Frankfurt Kunst- und Kulturgüter im Wert von etwa 2,5 Milliarden Euro besitzt. Der Haken bei dieser Geschichte ist aber, dass Museen in der Regel nur fünf bis zehn Prozent ihrer Bestände gleichzeitig in einer Ausstellung zeigen können. Das bedeutet, dass man zwischen zehn und 20 Jahre warten muss, bis man wieder alle gesehen hat. Im Internet wären sie jederzeit zu betrachten. Ich muss auch darauf hinweisen, dass das keine Neuerung ist. Es gibt in Frankfurt durchaus Institutionen, die das schon lange machen. Das Stadtarchiv digitalisiert zum Beispiel, auch einige Museen, die ihre Kunstwerke sowieso digitalisieren, sei es für Broschüren oder für die Versicherung oder falls wieder einmal ein Stadtarchiv im U Bahn Tunnel versinkt.

Diese Digitalisierungen sind derzeit aber öffentlich nicht verfügbar, oder die Recherche ist mit einem hohen Zeitaufwand verbunden. Allein das Stadtarchiv in Frankfurt besitzt etwa zwei Millionen Fotografien, wovon erst 38.000 auf der Website veröffentlicht wurden und einzeln durchsuchbar sind. Was aber, wenn ich alle 38.000 auf einmal oder wenn ich alle zwei Millionen haben möchte? Dafür ist Open Data zuständig. Die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Neelie Kroes, sagte dazu am Montag, dass man ein deutliches Signal an alle öffentlichen Verwaltungen sende. „Ihre Daten sind viel mehr wert, wenn man diese freigibt. Geben Sie ihre Daten jetzt frei, beginnen Sie heute Nachmittag damit. Nutzen Sie diesen Rahmen, um zu den intelligenten Vorreitern aufzuschließen, die bereits von den Vorteilen offener Daten profitieren. Für diese Informationen haben die Steuerzahler ohnehin schon bezahlt. Nun sollten wir sie wenigstens all jenen zurückgeben, die sie auf eine neue Art verwenden wollen, um den Menschen zu helfen und um Arbeitsplätze und Wachstum zu schaffen.“, das sagte Neelie Kroes, nicht irgendwelche Revoluzzer oder Piraten.

Derzeit erwirtschaften innovative Unternehmen in Europa ungefähr einen Umsatz von 32 Milliarden Euro durch die Anreicherung öffentlicher Daten mit einem Mehrwert. Ein Beispiel: Wenn Sie ein Haus bauen möchten, dann können Sie diese einzelnen Daten mit viel Bürokratie abfragen. In den Niederlanden gibt es aber Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, diese Daten vom Katasteramt, vom Grundbuchamt und irgendwelche Umweltdaten zusammenzutragen, auszuliefern und zu verkaufen. Da kommen diese 32 Milliarden Euro derzeit her.

Nur um das einmal in eine Relation zu setzen. Wir haben heute sehr lange über den Flughafen geredet. Der Umsatz von Fraport und Lufthansa zusammen beträgt weniger als 32 Milliarden Euro im Jahr. Es ist ein massives Volumen. Das ist das, was wir momentan dort an Umsatz haben. Die EU schätzt, dass das europaweit auf ungefähr 140 Milliarden Euro ausbaufähig ist. Derzeit arbeiten allein in den Niederlanden im Geoinformationsbereich 15.000 Menschen, in Europa werden es in ein paar Jahren mehrere 100.000 sein.

Stadtrat Frank betont stets die innovative Stellung unserer Stadt im Bereich IT und Gamesentwicklung, aber Frankfurt steht hier auch im direkten internationalen Wettbewerb mit anderen Großstädten um diese Arbeitsplätze und letztlich auch die Steuereinnahmen. Wenn wir Daten kostenlos herausgeben, werden wir am Ende davon profitieren, weil die Daten teilweise hundertfach öfter genutzt werden und dadurch ein neuer Industriezweig entsteht. Es ist darum wichtig, zügig zu agieren und den Anschluss nicht zu verschlafen. Beispiele anderer Städte und Staaten zeigen, wie schnell man eine Datenportal mit wenigen, nicht perfekten Daten beginnen kann. Mit der Zeit werden Qualität und Quantität der Daten gesteigert, bis schließlich Hunderttausende Datensätze maschinenlesbar in Fünf Sterne Qualität zur Verfügung stehen. Fünf Sterne habe nicht ich mir ausgedacht, sondern Tim Berners-Lee, der Erfinder des Internets.

Auch Websites wie data.gov.uk oder data.gouv.fr haben einmal klein angefangen und stellen jetzt 450.000 oder 350.000 Datensätze zur Verfügung. Nicht zu verachten sind dabei auch die freiwilligen Helfer, wenn diese Daten erst einmal zur Verfügung stehen, die dort ihre freiwillige Arbeit einsetzen, um diese zu visualisieren. In Wien wurde zum Beispiel das Baumkataster von Freiwilligen umgesetzt, und man kann das jetzt schön auf einer Stadtkarte ansehen. In Frankfurt haben wir die gleiche Software für das Baumkataster. Wir können von den Wienern deren Programme bekommen und haben in null Komma nichts das Baumkataster veröffentlicht.

Die Standorte der Frankfurter Blindenampeln – ungefähr 500 Stück – und Behindertenparkplätze werden in wheelmap.org integriert, und den städtischen Haushalt haben wir innerhalb von vier Stunden auf openspending.org eingestellt. Sie können einmal nachschauen, wo er nun verständlich und interaktiv klickbar ist.

Stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher Gert Trinklein:

Kommen Sie bitte zum Ende.

Stadtverordneter Martin Kliehm, Piraten:

(fortfahrend)

Ich möchte dringend appellieren, nicht jahrelang an einer Perfektion von Konzepten zu feilen und stattdessen schnell tätig zu werden. Der zögerliche Ansatz der Koalition zum Start des Open Data Projektes ist darum kontraproduktiv und das Verständnis von Stadtrat Stein irritierend. Die FREIEN WÄHLER sagen, geht nach draußen und sitzt nicht so lange vor dem Computer. Das ist noch viel mehr irritierend.

(Beifall)

[andere Reden]

Stadtverordneter Martin Kliehm, Piraten:

Ich möchte noch auf einige Punkte eingehen, Herr Stein, die muss ich nicht in Wikipedia nachlesen, ich war inzwischen auf vier Konferenzen zu Open Data, und zwar in Amsterdam, Brüssel, Berlin und Warschau. In Berlin waren netterweise auch die Leute vom Amt 16. Ich glaube, so langsam habe ich verstanden, worum es geht. Was Sie noch nicht mitbekommen haben, ist, dass wir den Punkt drei unseres Antrages schon längst gestrichen haben. Gut, dass Sie darauf eingegangen sind, aber um den geht es gar nicht mehr. Ich darf Sie auch auf den Beschluss des Bundesparteitages der Piraten in Offenbach zum Urheberrecht verweisen.

(Zurufe)

Frankfurt war zu teuer.

Wir waren keineswegs dafür, dass Piraten alles klauen, sondern haben einen sehr differenzierten Beschluss zum Urheberrecht beschlossen. Ich würde Ihnen empfehlen, sich den Beschluss durchzulesen. Die Daten, die ich genannt habe, habe ich nicht aus der Luft gegriffen, sondern sie stammen von Graham Vickery von der OECD, der im Jahr 2009 im Auftrag der Europäischen Kommission eine Studie dazu angefertigt hat. Graham Vickery habe ich in Brüssel getroffen.

Der Kollege von der SPD hat es gerade gesagt. Meine Angst ist, dass Sie den Punkt eins, eine Konferenz zu veranstalten, die übrigens nach meinen Erfahrungen einen vierstelligen Eurobetrag kosten wird, bis zu den Haushaltsberatungen zurückstellen. Der Haushalt ist der Ort, wo Anträge zum Sterben hingehen. Ich befürchte, es wird nie gemacht und Sie verschleppen das immer weiter. Dafür ist das Thema wirklich zu schade. Ich verstehe auch, dass Sie Angst davor haben, dass, wenn wir so eine Kommission einsetzen, auf einmal 200 Leute von der Stadt kommen würden. Ich wünsche mir, dass 200 Leute von der Stadt kommen, aber die Erfahrung, die ich gemacht habe – ich habe in den letzten Wochen mit dem Grünflächenamt, mit dem Umweltamt und mit dem Gesundheitsamt telefoniert -, zeigen, dass meistens nur eine Person die Datenhoheit hat. Wenn die alle zusammenkommen, dann wären wir im Bereich von 30 bis 40 Menschen, und nicht im Bereich um die 200.

Herr Stein hat noch einige Bedenken geäußert, nicht nur wegen der Rechte Dritter. Ich kann Ihnen aber noch ein paar andere Bedenken nennen. Da sind auch ein paar Lieblinge von mir dabei. Ich rufe Sie dazu auf, den jeweiligen Fehler in den Aussagen zu finden. Punkt eins: „Die Daten werden von zig unterschiedlichen Institutionen gepflegt und wir können sie nicht zusammenfassen.“ Punkt zwei: „Es wird die Menschen verärgern und verängstigen, ohne ihnen zu helfen.“ Punkt drei: „Es ist technisch unmöglich.“ Punkt vier: „Die Daten gehören uns nicht.“ Da ist ein Fehler. Punkt fünf: „Die Daten sind zu groß, um veröffentlicht und genutzt zu werden.“ Seit Google Docs wissen wir, so etwas wie zu groß gibt es nicht mehr. Oder: „Unsere Website kann diese großen Datenmengen nicht verkraften.“ In den Niederlanden gibt es Petabyte-Rechner. Das ist mein absoluter Liebling: „Wir wissen, dass unsere Daten falsch sind.“

(Heiterkeit)

Oder: „Wir wissen, dass unsere Daten falsch sind und die Leute werden uns sagen, wo sie falsch sind.“ Es geht noch besser: „Wir wissen, dass unsere Daten falsch sind und wir werden wertvolle Ressourcen verschwenden, die Korrekturen einzupflegen, die uns die Leute senden.“ Das wäre doch wünschenswert, wenn das geschehen würde. Den Rest überspringe ich, weil wir kein Informationsfreiheitsgesetz in Hessen haben. Aber einen Punkt habe ich auch vom Gesundheitsamt gehört: „Leute werden oberflächliche Schlussfolgerungen ziehen, ohne den Kontext zu kennen.“ Das habe ich sehr häufig gehört. Wir haben zum Beispiel auch Daten vom Baumkataster, da sehen die Leute, dass die Bäume krank sind und denken gleich, man könne sie abholzen. Auch das Stadtplanungsamt hat gesagt: „Sie haben nicht die Information oder den Kontext, um das ordentlich zu bewerten.“ Das ist aber ein generelles Problem unserer Gesellschaft, nämlich die Frage, welche Informationen im Internet authentisch sind. Welchen Informationen kann ich vertrauen, wie muss ich sie bewerten, wenn ich darin etwas lese. Wenn wir jetzt auf OpenSpending den Frankfurter Haushalt veröffentlichen, könnte man auch irgendetwas gepfuscht haben oder wir haben keine Ahnung davon und die Daten sind komplett falsch. Dann müssten Sie sich fragen, vertrauen Sie mehr den Daten, die auf frankfurt.de oder denen, die auf OpenSpending stehen?

Das ist eine generelle gesellschaftliche Debatte. Die darf aber nicht mit dem Schluss enden, dass Sie sagen, der Bevölkerung, der Presse und der Politik werden diese Informationen vorenthalten oder durch bürokratische Hürden wird der Zugang dazu erschwert. Von daher muss ich noch einmal betonen, dass eine zeitnahe Veröffentlichung der kommunalen Daten im Rahmen eines zentralen Portals – und wir haben schon eine zentrale IT in Frankfurt – ein Imperativ ist. Damit habe ich, wenn Sie bei Wikipedia nachschauen, den französischen Präsidenten Sarkozy zitiert, der sagte: Open Data ist ein Imperativ. Ich kann es leider nicht auf Französisch sagen.

Wir sollten von anderen Städten lernen und die Experten an den Tisch holen, so macht man das bei Internetprojekten heutzutage. Man holt alle Stakeholder zusammen, damit die sich nicht übergangen fühlen, die dann gemeinsam etwas ausbaldowern und uns Stadtverordnete eine Empfehlung geben können. Aufgrund dieser Empfehlung können wir dann entscheiden. Das Ganze muss aber zeitnah geschehen, und nicht erst in einem halben Jahr. Ich hatte schon angekündigt, wir sind in der Fraktion sehr stark am Überlegen, ob wir im Sommer selbst so eine Konferenz veranstalten sollen, weil wir die entsprechenden Kontakte haben. Wir sprechen natürlich auch mit den Leuten von der Open Knowledge Foundation. Mit denen haben wir am 3. Dezember im Fraktionsraum ein OpenSpending gemacht. Wir sind sehr gut vernetzt und laden gerne die städtischen Mitarbeiter, die Sie uns bitte noch benennen möchten, zu dieser Konferenz ein.

Vielen Dank!

(Beifall)

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Einführung des anonymen Bewerbungsverfahrens in der Stadtverwaltung und bei den städtischen Gesellschaften

Gleiche Qualifikation, ungleiche Chancen

Die Stadt Frankfurt wartet nicht. Die Stadt Frankfurt nimmt eine Vorreiterrolle in der Integrationspolitik in Deutschland und bei der Einführung von anonymen Bewerbungen ein.

Der Anteil der Beschäftigung von Menschen mit Migrationshintergrund in der Stadtverwaltung und in den städtischen Betrieben und Gesellschaften hat sich „trotz guter Absichten“ in den letzten sieben Jahren nicht erhöht, sondern ist sogar zurückgegangen, wie die Berichte des Magistrats zeigen.

„Genug der schönen Worte: Taten sind notwendig.“ Das Verfahren der „anonymen Bewerbung“ kann Hilfe herbeiführen und kommt nicht nur den MigrantenInnen zu Gute sondern auch Frauen, älteren MitbürgerInnen und Menschen mit Behinderungen, wie die Erfahrung in den Nachbarländern zeigen. Es braucht nicht mehr auf „Modellprojekte zum anonymisierten Bewerbungsverfahren“ gewartet werden!  Diese hat es schon längst gegeben. In Ländern wie den USA oder Kanada sind anonymisierte Bewerbungen längst die Regel. Auch in Belgien wird das Verfahren inzwischen im öffentlichen Sektor längst angewandt. Langjährige Modellversuche in Schweden haben gezeigt, dass dieses Verfahren sich gegen Diskriminierungen und Vorurteile besonders gut eignet.

Eine Diskriminierung bei einer Bewerbung soll von Vornherein ausgeschlossen werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass Angehörige bestimmter Bevölkerungsgruppen bei gleicher Qualifikation aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit ungleich behandelt werden. Dimensionen, die in dieser Hinsicht eine besondere Rolle spielen, sind ohne Zweifel das Geschlecht, das Alter, eine Behinderung und die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit. Daneben gewinnen jedoch weitere Dimensionen, wie etwa die sexuelle Orientierung oder gesundheitliche Einschränkungen an Bedeutung.

Eine beim Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Auftrag gegebene Studie hat belegt, dass allein die Angabe eines türkischen Namens ausreicht, die Chance auf ein Vorstellungsgespräch um 14% zu senken, in kleineren Unternehmen sogar um 24%.

Lässt man persönliche Angaben weg, haben, wie bereits vorgetragen, Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch ältere ArbeitnehmerInnen und Menschen mit Behinderungen deutliche bessere Einstiegschancen. Deutschland hinkt hier bislang hinterher. Worauf sollte man also noch warten?

Bei anonymisierten Bewerbungen wird kein Foto beigefügt, ebenfalls fehlen Adresse, Geburtsdatum, Familienstand, Geschlecht oder die Herkunft des Bewerbers. Die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch sollte allein aufgrund der persönlichen Qualifikation erfolgen. Erst in der zweiten Phase, wenn die Einladung zum Vorstellungsgespräch erfolgt ist, erhalten die PersonalmanagerInnen die vollständigen Unterlagen mit den übrigen persönlichen Daten.

Natürlich bietet dieses Verfahren keinen totalen Schutz vor Benachteiligungen, aber sie können dabei helfen, wenigstens graduell Diskriminierungen abzubauen. Statistisch gesehen findet so eine Diskriminierung vor allem in der ersten Phase der Bewerbung statt, also vor der Einladung zum Bewerbungsgespräch. Bekommen jene Bewerber jedoch die Chance zu einem Vorstellungsgespräch, verliert manches Vorurteil an Kraft. In dem genannten Verfahren geht es also explizit um die erste Chance.

Dies vorausgeschickt, möge die Stadtverordnetenversammlung beschließen:

Der Magistrat wird aufgefordert:

  1. das anonymisierte Bewerbungsverfahren zeitnah für die Stadtverwaltung und für alle städtischen Gesellschaften und Betriebe einzuführen. Auch für die Einstellung der Auszubildenden ist dieses Verfahren anzuwenden.
  2. Der Magistrat startet eine Kampagne, um auch die Betriebe der Privatwirtschaft dafür zu gewinnen, dieses Verfahren anzuwenden.
  3. Der Magistrat berichtet jährlich über die Ergebnisse dieses Verfahrens, insbesondere in Bezug auf die Einstellung von Menschen mit Migrationshintergrund.
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Videoüberwachung an der Haltestelle Industriehof

Im Bericht des Magistrats vom 16.09.2011, B 399, wird von 41 polizeilich festgestellten Straftaten im Zeitraum vom 01.12.2009 bis 30.11.2010 an der Stadtbahnhaltestelle Industriehof und deren unmittelbarer Umgebung berichtet. Weiter wird berichtet, dass Aufzeichnungen der Überwachungskamera, welche von den Polizeibehörden im Rahmen der Strafverfolgung angefordert werden, nicht nach 48 Stunden gelöscht werden.

Ich frage den Magistrat:

Wie oft wurden im genannten Zeitraum Aufzeichnungen von den Polizeibehörden angefordert?

Antwort des Magistrats:

Stadtrat Stefan Majer:

Herr Stadtverordnetenvorsteher, meine Damen und Herren, Herr Stadtverordneter Förster!

Zu der genannten Stadtbahnhaltestelle wurden durch die Strafverfolgungsbehörden keine Aufzeichnungen der Überwachungskamera angefordert.

Stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher Ulrich Baier:

Es gibt eine Zusatzfrage von Herrn Förster. Bitte schön!

Stadtverordneter Herbert Förster, Piraten:

(Zusatzfrage)

Macht dann diese Überwachungskamera aus Ihrer Sicht noch Sinn?

Stadtrat Stefan Majer:

(fortfahrend)

Wir haben nicht nur eine einzelne Überwachungskamera. Wir haben insgesamt 50 Stationen in Frankfurt, die überwacht werden, davon 12 oberirdische Stationen. In diesem Rahmen wird sehr wohl die Situation an den Haltestellen überwacht. Das lässt sich nur insgesamt beobachten. Eine solche Beobachtung auf eine einzelne Haltestelle zu reduzieren, würde keinen Sinn machen. Wenn das über einen sehr langen Zeitraum in der Art sein sollte, wie Sie es gesagt haben und wie es mir berichtet wurde, kann man möglicherweise zu neuen Erkenntnissen kommen. Das wäre dann eine Situation, die man sicherlich nicht von einem einzelnen Jahr ableiten sollte.

Parlis: Frage F 243/2011

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Die ELF Piraten Fraktion unterstützt den Open Data Day 2011

Am Samstag, den 3. Dezember, treffen sich weltweit Programmierer, um im Rahmen des Internationalen Open Data Days öffentliche Verwaltungsdaten ihrer Städte verständlich zu machen. Die ELF Piraten-Fraktion im Römer stellt für das Team Frankfurt ab 10 Uhr ihre Fraktionsräume in der Bethmannstr. 3 zur Verfügung. Somit ist Frankfurt neben Berlin einer von zwei Standorten in Deutschland, die sich am Open Data Day beteiligen.

Von Shanghai über London bis New York, überall finden sich Programmierer zusammen, um Verwaltungsdaten verständlicher darzustellen. In Wien wurde beispielsweise das Baumkataster veröffentlicht, eine riesige Menge von unverständlichen Daten. Schon am nächsten Tag hatte ein Freiwilliger die Baumdaten in eine Karte übertragen. Nun kann man jeden Baum anklicken und sieht den genauen Standort, Art, Höhe, Stamm- und Kronendurchmesser. Aber auch Haushaltspläne, die Standorte von Haltestellen und Behindertenparkplätzen, Umwelt- und Wetterdaten, Museums und Archivbestände sind ergiebige Quellen für die Programmierer.

„Es haben bereits zehn Teilnehmer zugesagt, darunter ausgewiesene Experten wie Christian Kreutz von der Open Knowledge Foundation“, so Martin Kliehm, Stadtverordneter der Piratenpartei und Mitglied der ELF Piraten-Fraktion. „Wir haben von der Stadt einige Daten erhalten, etwa zum Ergebnishaushalt und zum Investitionsprogramm 2010/2011. Wir freuen uns darauf, damit zu arbeiten und zu schauen, wie weit wir an einem Tag kommen. Es soll auch eine Übung sein, um den kommenden Haushalt schneller für Menschen überschaubar zu machen“, so Kliehm weiter. Letztlich sei es auch ein Testlauf: „Wir möchten den anderen Fraktionen im Römer zeigen, was sich mit öffentlichen Daten machen lässt und wie Bürger, die Politik und Journalisten davon profitieren können. Selbstverständlich werden wir unsere Ergebnisse mit den Ämtern und Fraktionen teilen.“

Die ELF Piraten haben einen Antrag in der Stadtverordnetenversammlung gestellt, ein städtisches Open Data-Projekt zu starten mit einer Fachkonferenz und einer Kommission aus Experten der Stadt Frankfurt.

Gäste sind herzlich eingeladen, sich im Römer über Open Data zu informieren.

Pressemitteilung: 01.12.2011

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Oberbürgermeisterkandidaten

Stadtverordneter Martin Kliehm, Piraten:

Sie sagen es richtig, Herr zu Löwenstein. Wir haben hier jetzt schon viele Geschichten vom Krieg gehört. Hier kommt endlich einmal eine Partei der Zukunft. Ich möchte darum vor allem nach vorne blicken. Das liegt aber auch daran, dass ich an diesen Grabenkämpfen in den letzten 15 Jahren hier im Parlament auch nicht so beteiligt war.

Frau Roth hat es gesagt, wir leben in einer lebendigen, vitalen Stadt. Was sie nicht erwähnt hat, ist, dass wir auch in einer sehr vielfältigen Stadt leben. Auch wenn der Herr Hübner dabei Hautausschläge bekommt: Frankfurt ist eine multikulturelle Stadt. Wir haben einen sehr hohen Anteil an Migranten und Migrantinnen und das ist auch sehr gut so, weil Frankfurt dadurch an Stärke und an Vielfalt gewinnt. Das ist eine gute Sache, weil wir durch eine Monokultur eigentlich nur verlieren können.

In dieses Bild von dieser vielfältigen Stadt hinein bekommen wir jetzt von der CDU einen Kandidaten präsentiert, der wie niemand sonst polarisiert. Herr Hübner fiebert ihm schon entgegen und Herr Heuser hält eine Laudatio auf die Errungenschaften von Herrn Rhein, die vielleicht für eine Römerplakette reichen würde, die mich aber jetzt nicht so begeistert hat, dass ich sage, dieser Mann muss Oberbürgermeister werden. Davon abgesehen, selbst für eine Römerplakette in Bronze muss man zehn Jahre ehrenamtlich tätig sein und nicht nur zwei Jahre als Stadtrat.

(Beifall)

Wir sehen da einem Kandidaten entgegen, der vor allem für die Eingriffe in die Bürgerrechte steht. Als hessischer Innenminister und als momentaner Vorsitzender der Innenministerkonferenz mag er vielleicht damals propagiert haben, dass Frankfurt eine sichere Stadt sein soll, aber letztlich hat er dort ein Gespenst an die Wand gemalt, das wir so gar nicht haben. Boris Rhein ist ein starker Verfechter der Kameraüberwachung, letztlich ist dies aber alles eine Symbolpolitik. Kameraüberwachung ist eine Augenwischerei. Es hat noch keine Kamera ein Verbrechen jemals verhindern können, niemals! Im Gegenteil, wir wissen heutzutage, wenn Kameraüberwachung zum Beispiel an Bahnhöfen oder an U Bahn Stationen eingesetzt wird, dass das teilweise für entsprechend disponierte Jugendliche erst der Anlass sein kann, dort exzessive Gewalt zu betreiben, weil sie wissen, sie haben dadurch ihre 15 Sekunden in der Tagesschau sicher.

Letztlich haben wir eine Symbolpolitik, die vor Nutzlosigkeit strotzt, die aber auf der anderen Seite eben auch vorhandene Rechte mit Füßen tritt. Es wurde vorhin schon im Zusammenhang mit den Fußballfans erwähnt, wenn sie über die Stränge schlagen, das den Arbeitgebern zu melden. Das ist mit unserem Rechtsstaat nicht vereinbar. Gleichzeitig verwundert es auch sehr wenig, dass Herr Rhein sehr für den Bundestrojaner ist. Da kommen wir dann zu dem Thema, das den Piraten sehr am Herzen liegt. Wir Piraten sind der Meinung, dass eine Softwareüberwachung, dass eine Ausspähsoftware, die auf Computern von Menschen installiert wird und auch in der Lage ist, dort Dateien zu verändern und zu installieren, für eine gerichtliche Überprüfung nicht geeignet ist. Denn in dem Moment wird der ganze Computer verändert, neue Dateien können raufgeladen werden, und wer soll denn da bitte noch beweisen, wo die Dateien herkommen, ob die ursprünglich auf dem Computer waren oder ob die vielleicht vom BKA nachgeladen wurden?

Herr Rhein hat sich auch hervorgetan mit einer Symbolpolitik gegen Kopftücher. Wir wissen inzwischen, das Kopftuch ist ein stark behaftetes Symbol, aber genau dies ist es auch. In dem Moment, wo wir nur über Kopftücher reden, betreiben wir Symbolpolitik und befassen uns nicht mit tatsächlichen Problemen, mit tatsächlichen Ursachen. Eine solche Symbolpolitik ist in der Regel ein Ausdruck eines statischen Weltbilds. Wir sehen dieses statische Weltbild auch in dieser Terrorangst verwirklicht. Frankfurt ist aber alles andere als statisch. Frankfurt ist, wie wir gehört haben, eine vitale Stadt, eine junge, dynamische Stadt. Und da sollen wir jetzt einen Oberbürgermeister hineinbekommen, der, obwohl erst Ende Dreißig, konservativer und vergreister ist als so manche Sechzigjährige, die die 68er-Bewegung mitgemacht haben.

Wir haben – und das sollten wir nicht vergessen – in Frankfurt auch junge Menschen. Wir haben eine zurückgehende Geburtenrate, die Älteren überwiegen. Wir haben es neulich im Ausschuss gehört, 1964 ist der geburtenstärkste Jahrgang, der gerade lebt. Wir haben eine Überalterung der Gesellschaft und immer weniger junge Leute. Dort soll dann jemand kommen, der genau diese Ängste der Alten führt, der ihnen verspricht, wenn da Kameras sind, Oma, dann wirst du nicht überfallen werden. Das ist aber nicht die Wahrheit. Wir haben hier eine junge, dynamische Stadt, und wir brauchen einen Oberbürgermeister, der Brücken schlägt, oder eine Oberbürgermeisterin. Wir brauchen jemand, der die gesamte Bevölkerung einschließt und nicht komplett polarisiert. Wir brauchen einen Oberbürgermeister oder eine Oberbürgermeisterin für alle Frankfurterinnen und Frankfurt und nicht einen Brandstifter.

(Beifall)

Darum kann ich guten Gewissens behaupten, „Boris Rhein is not my OB“, und ich denke, das werden auch viele andere junge Leute bestätigen.

Zu guter Letzt, denn diese Frage wird sicher aufkommen oder wird uns schon permanent gestellt, ob die Piraten einen Oberbürgermeisterkandidaten stellen werden. Ich muss Ihnen sagen, das wird bei uns auf dem Parteitag entschieden und nicht von irgendwelchen Gremien. Wir haben einen Parteitag am 25. November, dabei kann alles herauskommen. Anders als bei der CDU steht heute noch nicht fest, wer Mitte Dezember gewählt wird. Bei uns entscheidet das Ganze die Basis, ich gehe aber davon aus, dass bei den Piraten, da wir als Partei einen politischen Auftrag haben, an Wahlen teilzunehmen, die Tendenz schon eher ist, an den Oberbürgermeisterwahlen teilzunehmen, auch um eine Alternative zu bieten und Nichtwähler zu mobilisieren. Von daher verstehe ich sehr gut, dass die FDP bei diesen Wahlen nicht antritt. Die würde die Wahlbeteiligung eher noch nach unten treiben, denn nach oben.

(Beifall, Heiterkeit)

Wir haben aber mit einer Beteiligung der Piratenpartei an den Oberbürgermeisterwahlen die Chance, eben genau diese Nichtwähler zu mobilisieren und die benötigte absolute Mehrheit für einen Oberbürgermeister zu erschweren, indem wir eben auch junge Leute an die Wahlurnen bringen. Da sehe ich den nächsten Monaten gespannt entgegen, insbesondere auch dem 25. November bei uns, und ich bitte Sie, nicht zu vergessen, in welcher Stadt wir leben und dass wir dort alles andere gebrauchen können, nur nicht einen Boris Rhein.

(Beifall)

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Lohndumping bei den Trägern sozialer Arbeit

Zum Lohndumping bei den Trägern sozialer Arbeit stellte die Sozialdezernentin fest, dass alle Vereine auf der Basis des TvöD kalkuliert werden. Allerdings gibt es ein deutliches Delta zwischen den Tariflöhnen und den tatsächlich gezahlten Löhnen, die oft zum Leben nicht ausreichen. Dies führt zu einer Kostenverlagerung auf die Allgemeinheit, während die Vereine Zuwendungen zweckentfremdet für andere Projekte einsetzen.

Darum frage ich:

Wie verhindert der Magistrat, dass städtische Finanzmittel bei den Trägern sozialer Arbeit zweckentfremdet werden, und wie gestaltet sich das Controlling der Arbeit der sozialen Vereine?

Antwort des Magistrats:

Die Aussage, dass „alle Vereine auf Basis des TvöD kalkuliert werden“ ist so nicht getroffen worden. Richtig ist, dass bei Verhandlungen über Entgeltsätze Kalkulationen akzeptiert werden, die bei den Personalkosten die Bedingungen des TvöD hinsichtlich Eingruppierung und Entlohnung zu Grunde legen.

Das vorausgeschickt, wird die Frage wie folgt beantwortet:

Das Jugend- und Sozialamt setzt städtische Finanzmittel bei Trägern sozialer Arbeit auf zwei Ebenen ein: zum einen im Rahmen von Zuschüssen an die Träger, zum anderen in Form von Entgelten für erbrachte – und zuvor verhandelte – Leistungen nach dem SGB VIII wie auch SGB XII. Bei den Entgeltverhandlungen wird ein besonderes Augenmerk auf die Plausibilität der eingereichten Unterlagen gelegt.

Im Zuschussbereich findet das Controlling durch die Prüfung der Verwendungsnachweise statt. Dieser besteht aus einem zahlenmäßigen Nachweis sowie aus einem Sachbericht. Im zahlenmäßigen Nachweis legt der Träger die Einnahmen und Ausgaben für die Einrichtung bzw. das Projekt im Detail dar. Hierzu gehören auch Angaben zu den Vergütungs- und Entgeltgruppen und des entsprechenden Tarifvertrages, nach dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vergütet werden. Bei Auffälligkeiten werden ggf. weitere Unterlagen wie Belege, Verträge, Bewilligungsbescheide anderer Behörden et cetera, nachgefordert. Auffällige Differenzen sind derzeit nicht erkennbar.

Parlis: Frage F 229/2011

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Schultrojaner

Am 21. Dezember 2010 haben die Bundesländer einen Vertrag mit der Zentralstelle für Fotokopieren an Schulen, ZFS, unterzeichnet, der die Vervielfältigung von urheberrechtlich geschützten Werken für den Prüfungs- und Unterrichtsgebrauch nach § 53 UrhG regelt. In § 3 Absatz 3 des Vertrages wird die Digitalisierung und digitale Verteilung des Unterrichtsmaterials ausgeschlossen. Zur Überwachung dieses Verbots soll nach § 6 Absatz 4 stichprobenhaft ein Schultrojaner auf Schulcomputern installiert werden.

Ich frage den Magistrat:

Welche Maßnahmen werden seitens der Stadt Frankfurt zur Umsetzung von § 6 Absatz 4 des Vertrags getroffen, und liegt eine Bewertung des Vertrags durch den Frankfurter Datenschutzbeauftragten vor?

Antwort des Magistrats:

Es sind stadtseitig keine Vorbereitungen für den Einsatz einer Plagiatssoftware an den Schulen der Stadt Frankfurt getroffen worden. Der behördliche Datenschutzbeauftragte der Stadt Frankfurt war nicht in die Vertragsgestaltung zwischen den Ländern und der „Zentralstelle Fotokopieren an Schulen – ZFS“, Vertreter der Rechteinhaber, oder in anderer Weise in die Themenstellung einbezogen, da er für die Bewertung von Verträgen, die das Land Hessen mit der oben angegebenen Zentralstelle geschlossen hat, nicht zuständig ist.

Dem behördlichen Datenschutzbeauftragten ist bekannt, dass der Hessische Datenschutzbeauftragte als Aufsichtsbehörde mit der Materie betraut ist. Details zur technischen Ausgestaltung der vertraglichen Regelungen sind aber auch dort noch nicht bekannt.

Der Magistrat geht davon aus, dass das Land Hessen seine Lehrkräfte ausreichend über rechtliche Regelungen zum Urheberrecht im Schulbereich informiert und die Lehrkräfte diese beachten.

Sollte eine Anfrage für eine praktische Überprüfung vor Ort von Rechteinhabern an die Stadt als sächlicher Schulträger gerichtet werden, wird genauestens geprüft werden, ob sie in der vom Antragsteller gewünschten Art und Weise (datenschutz-)rechtlich und im Blick auf die allgemeine Informationssicherheit des (Schul-)Netzbetriebes, sowie der praktischen und zumutbaren Handhabung in Frage kommt, das heißt, ob tatsächlich Verpflichtungen für den sächlichen Schulträger erwachsen. Bisher ist eine prüfbare Anfrage nicht eingegangen, es bestehen zudem Zweifel hinsichtlich der Praktikabilität und rechtlicher Verpflichtung.

Parlis: Frage F 226/2011

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Informationsveranstaltung der Deutschen Flugsicherung

Kürzlich wurde die neue Landebahn am Flughafen in Betrieb genommen, wodurch die Lärmbelastung unter anderem in Heddernheim, Eschersheim, Frankfurter Berg und Berkersheim deutlich zunahm. Die Deutsche Flugsicherung, DFS, wird am 21. November im Plenarsaal die neuen Flugrouten vorstellen und Fragen beantworten – allerdings nur für und von Mandatsträgerinnen und -trägern.

Ich frage den Magistrat:

Warum ist diese Veranstaltung nicht öffentlich, und was spricht dagegen, Bürgerinnen und Bürger sowie Bürgerinitiativen dazu einzuladen? Weiterlesen

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ÖPP-Dienstleister Accenture – Muse der Frankfurter Museen?

In der Sommerakademie von Schirn, Städel und Liebieghaus erklärten laut einem Bericht in der FAZ vom 02.08.2011 die Unternehmensberater von Accenture den jungen Künstlerinnen und Künstlern, wie sie sich selbst verkaufen.

Das ist die gleiche Unternehmensberatung Accenture, die auf ihrer Website „Dienstleistungen für militärische Einsätze“ anbietet und ein großer Protagonist im Geschäft mit Öffentlich-Privaten Partnerschaften ist.

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Magistrat:

  1. Welche Gegenleistungen haben die Firma Accenture, deren Tochterunternehmen oder deren Mitarbeiter für ihre Beratung der Künstlerinnen und Künstler erhalten?
  2. Wer hat Accenture zur Sommerakademie eingeladen?
  3. Welche Geschäftsbeziehungen im Rahmen welcher Projekte, in welcher Art, in welchem Projektumfang und in welchem Zeitraum pflegte und pflegt die Stadt Frankfurt mit Accenture oder ihren Tochterunternehmen? Welche Dezernate und welche Abteilungen waren daran jeweils beteiligt?
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Monokultur in der Feuerwehr – Was hat der Magistrat getan?

Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund bei den Beschäftigten in der Stadtverwaltung ist sehr gering. Der Stadtverordnetenversammlung ist dies bewusst, und durch unzählige Anträge wurde versucht, diesen Missstand zu beheben. Beschluss § 9876 legt fest:

„Die Stadtverordnetenversammlung erklärt die Erhöhung des Anteils an Migrantinnen und Migranten und der Menschen mit Migrationshintergrund unter den Beschäftigten der Stadtverwaltung zur wichtigen Aufgabe der Personalpolitik. Unter den Beschäftigten der Stadtverwaltung soll sich die Zusammensetzung der Frankfurter Bevölkerung besser widerspiegeln.“

Inzwischen sind über sechs Jahre vergangen, und es ist Zeit, diesen Beschluss kritisch zu hinterfragen.

Die städtische Branddirektion zählt mehr als tausend Beschäftigte. Der Anteil der Migrantinnen und Migranten unter diesen Beschäftigten übersteigt auch sechs Jahre nach dem Beschluss § 9876 nicht einmal die Marge von 2%. Die Branddirektion bildet damit das Schlusslicht der städtischen Ämter und Betriebe.

Dies vorausgeschickt bitten wir um Beantwortung folgender Fragen:

  1. Wie viele jährliche Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz gab es bei der Branddirektion zwischen 2006 und 2011? Wie viele Auszubildende wurden in den jeweiligen Jahren eingestellt? Wie viele davon waren jeweils von Menschen mit Migrationshintergrund?
  2. Wurde bei der Einstellung der Auszubildenden Punkt 5 des o.g. Beschlusses berücksichtigt?
    1. Falls ja: wie wurde verfahren?
    2. Falls nein: warum nicht?
  3. Wie viele Stellen jährlich, intern und extern, wurden zwischen 2006 und 2011 bei der Branddirektion neu besetzt? Wie viele Bewerbungen um einen Arbeitsplatz bei der Branddirektion gab es jährlich? Wie viele davon waren jeweils von Menschen mit Migrationshintergrund?
  4. Wurde bei der Neubesetzung der Stellen Punkt 4 des o.g. Beschlusses berücksichtigt?
    1. Falls ja: wie wurde verfahren?
    2. Falls nein: warum nicht?
  5. Zum 31.12.2010 gab es bei der Branddirektion 1021 Beschäftigte, 19 davon hatten einen Migrationshintergrund. Welchen Migrationshintergrund besaßen diese 19 Beschäftigen, welchen Dienstgrad hatten sie?
  6. Ist der Branddirektion o.g. Beschluss überhaupt bekannt? Wenn ja, was hat sie bislang unternommen, um den Anteil der Beschäftigen mit Migrationshintergrund zu erhöhen?
  7. Wie erklärt sich der Magistrat die Tatsache, dass sich der Anteil der Migranten und Migrantinnen in der Branddirektion nach o.g. Beschluss nicht signifikant erhöht hat? Welche Schritte hat der Magistrat zwischen 2006 und 2011 bei der Branddirektion unternommen, um den Beschluss umzusetzen?
  8. Welche Maßnahmen gedenken die Branddirektion und der Magistrat zukünftig zu unternehmen, um den Anteil der Migranten und Migrantinnen in der Branddirektion zu erhöhen?
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Verseuchte Oberflächengewässer in Frankfurt

Der Leiter des Gesundheitsamtes, Prof. Dr. Dr. Gottschalk, erwähnte beiläufig in seinem Bericht im Gesundheitsausschuss am 18.08.2011, dass alle Frankfurter Oberflächengewässer bedenklich belastet seien. Es gäbe ein Verbot, in diesen Gewässern zu baden oder das Wasser zur Bewässerung zu verwenden.

Die hygienische Güte der Frankfurter Oberflächengewässer hat sich in den letzten 20 Jahren nicht verbessert, teilweise sogar verschlimmert. Die getesteten Gewässer waren nach einem Bericht von 2008 kritisch belastet, stark oder sehr stark verschmutzt. Insbesondere die Situation nach den Kläranlagen Ober-Eschbach, Ober-Erlenbach und Oberursel ist katastrophal.

Der Magistrat wird gebeten, die folgenden Fragen zu beantworten:

  1. Welche ökologische, chemische und hygienische Güte weisen aktuell die einzelnen Oberflächengewässer auf Frankfurter Stadtgebiet an welchen Stellen (Geokoordinaten) auf? Unter welcher Adresse (URL) werden diese Daten zeitnah im Internet veröffentlicht?
  2. Welche Faktoren sind für die Verschmutzung und Verseuchung der Frankfurter Oberflächengewässer maßgeblich verantwortlich?
  3. Warum ist es in den letzten 20 Jahren nicht gelungen, insbesondere die hygienische Güte der Gewässer zu verbessern?
  4. Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um die Bevölkerung vor den gesundheitlichen Gefahren zu warnen? Gibt es Warnschilder an den Gewässern, die auf diese Verbote hinweisen? Falls ja, in welchen Abständen stehen diese Warnschilder? Falls nein, wie wird die Bevölkerung dann geschützt?
  5. Welche Modernisierungsmaßnahmen wurden an den Kläranlagen Ober-Erlenbach, Ober-Eschbach, Oberursel sowie auf Frankfurter Stadtgebiet vorgenommen? Warum wird die Gewässerqualität trotzdem immer schlechter? Werden bereits alle Möglichkeiten der Abwässeraufbereitung ausgeschöpft? Wie gedenkt der Magistrat, die hygienische Qualität der Oberflächengewässer zukünftig nachhaltig zu verbessern?
  6. Im Bericht von 2008 sind nur Main, Nidda, Erlenbach, Eschbach, Sulzbach, Urselbach, Westerbach, Liederbach, Königsbach, Kalbach und Rebstockweiher genannt. Wie stellt sich die ökologische, chemische und hygienische Situation an den anderen Frankfurter Quellen, Bächen, Seen und Weihern dar?
  7. Mit welchen konkreten Maßnahmen an jedem der ca. 90 Frankfurter Oberflächengewässer und bis wann gedenkt der Magistrat, die Bewirtschaftungsziele der europäischen Wasserrahmenrichtlinie einhalten zu können?
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Maximale Zugänglichkeit für digitale Informationen

Standards dienen dazu, geräte- und herstellerunabhängig Dinge nutzen zu können. Normen und Standards sind eine Basis für wirtschaftlichen Erfolg und für eine effiziente und unkomplizierte Nutzung. Webstandards und offene Dateiformate ermöglichen, dass weltweit Menschen mit-einander kommunizieren können, unabhängig davon, ob sie dazu ein Notebook, einen Tablet-PC oder ein Smartphone verwenden oder von welchem Hersteller ihre Software und Geräte sind.

Beschäftigte der Stadt Frankfurt versenden öfters E-Mails im nicht-standardisierten „Microsoft Exchange Rich-Text-Format“, wodurch Anhänge verlorengehen. Dokumente auf Parlis und anderen Websites sind oft fehlerhaft und nicht zu öffnen. Die parlamentarische und außerparlamentarische Arbeit wird dadurch unnötig behindert, die Kommunikation mit den Bürgern erschwert.

Auf dieser Grundlage möge die Stadtverordnetenversammlung beschließen:

Die Stadt Frankfurt verwendet auf ihren Websites sowie in E-Mails Webstandards und offene Dateiformate. Sie orientiert sich dabei an internationalen Best Practices.

  1. E-Mails werden als HTML- oder Nur-Text-E-Mails versendet, Dokumente im OpenDocument-Format (dem ISO-Standard für Texte und andere Dokumente) oder als PDF.
  2. Auf den Websites der Stadt Frankfurt und ihrer Institutionen werden Webstandards eingesetzt, insbesondere barrierefreies HTML. Textdokumente zum Herunterladen werden mindestens als barrierefreie PDFs angeboten.
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Bessere Hilfe für Opfer von Vergewaltigungen

Kontext: Wortprotokoll über die 5. Plenarsitzung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, dem 29.09.2011 (16.31 Uhr bis 00.13 Uhr), TOP 8, Opfer von Vergewaltigung optimal versorgen und beraten

Stadtverordneter Martin Kliehm, Piraten:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich habe in den Ausschüssen schon dazu gesprochen, und jetzt dachte ich mir, dass ich nach dieser letzten Männerrunde auch noch etwas dazu sagen muss. Erwartungsgemäß haben wir von Herrn Dr. Rahn gehört, dass er eine Vergewaltigung auf Zahlenspiele reduziert. Ob das jetzt 0,01 Prozent sind oder weniger, das ist vollkommen egal. Erwartungsgemäß hat auch Herr Schenk als ehemaliger Anwalt Frauen auf ein Beweismittel reduziert. So kommen wir nicht weiter. Darum möchte ich das Ganze noch einmal in eine andere Relation setzen. Ich möchte Ihnen etwas erzählen. Als ich ungefähr 18 oder 19 Jahre alt war, bin ich in Kiel an einem Autobahn-Brückenpfeiler vorbeigefahren, auf dem stand aufgesprüht: „Vergewaltigung ist Mord“. Der einzige Zusammenhang, in dem ich damals von Vergewaltigung gehört hatte, war in Fantasy-Romanen aus den Achtziger Jahren, wo es eher als Kavaliersdelikt vorkam. Ich fragte mich, was das wohl wieder für ein Spruch sein soll, so wie „Neue Männer braucht das Land“. Ich habe eine Weile nicht mehr darüber nachgedacht.

Ich bin älter geworden, und im Laufe meines Lebens haben sich mir zwei Freundinnen anvertraut, die vergewaltigt wurden, die davon lebenslang Narben zurückgetragen haben und zum Teil noch immer mit Depressionen kämpfen. Ein bisschen später in meinem Leben, als ich hauptberuflich für den Rettungsdienst gearbeitet habe, haben wir zu einer Jahreszeit wie dieser, zur Morgendämmerung im Gallus eine Frau aufsammeln müssen, die halbtot war. Sie wurde zusammengeschlagen, hatte Hämatome im Gesicht, war unterkühlt und bewusstlos, mit Verletzungen im Schambereich. Da wurde mir klar, was der Spruch „Vergewaltigung ist Mord“ an der Mauer in Kiel bedeutet. Dadurch wird mir auch klar, dass diese ganzen Zahlenspiele, oder ob die Täter dingfest gemacht werden oder nicht, überhaupt nichts mit dem Thema zu tun haben. Wir reden hier über die Opferhilfe. Die Opferhilfe soll verbessert werden.

(Zurufe)

Das wird sie. Die Opferhilfe wird definitiv dadurch verbessert. Wir haben den Frauennotruf als eine hervorragende Einrichtung in Frankfurt. Das ist genau der Fehler. Sie haben mit der Rechtsmedizin geredet, Herr Dr. Rahn. Sie habe nicht mit den Damen geredet, die den Frauennotruf in Frankfurt ausüben. Die kennen sich nämlich damit aus.

(Beifall)

Herr Dr. Rahn, Sie haben auch nicht mit den betroffenen Frauen geredet. Das ist das andere Problem. Ich habe Ihren Antrag gelesen, da geht es bei Prozentzahlen um Korinthenkackerei, tut mir leid.

(Beifall)

Hier geht es letzten Endes um die Hilfe für die Opfer. Dort brauchen wir ein dichtes Netz. Wir müssen dieses Netz auch ausreichend bewerben. Wir haben in U-Bahnen diese Schilder für den Frauennotruf. Das ist noch zu wenig. Wir müssen das publik machen, und das tun wir hier gerade. Jeder muss seinen Teil dazu beitragen. Frau auf der Heide hat es im Ausschuss angeregt, jeder von uns sollte in seinem Handy die Nummer vom Frauennotruf haben, die 709494, damit sie in solchen Situationen, wenn sich jemand ihnen anvertraut, parat ist und sie nicht erst anfangen müssen, danach zu suchen. Das ist eigentlich das, worum es geht, dass wir den Frauen helfen und uns nicht um irgendwelche Prozentzahlen streiten oder die Frauen darauf reduzieren, dass sie juristisches Beweismittel wären, das möglichst klinisch rein erhalten werden muss. Das ist vollkommen fehlgeleitet.

(Beifall)

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